Die Adresse Alter Markt 6 in Potsdam hat sich innerhalb des letzten Jahres zu einem wichtigen Zentrum für Feminismus und gewaltfreie Lebensrealitäten entwickelt – und trägt nun offiziell den Namen *innenRaum – Feminismus im Zentrum.
Der Name *innenRaum repräsentiert dabei alle, die in Sprache lange unsichtbar waren, und steht für einen zentralen und sichtbaren Ort für alle Brandenburger*innen: Hier sind feministische Anliegen präsent und positionieren sich gegenüber Politik, Verwaltung, Öffentlichkeit und Zivilgesellschaft.
Was im *innenRaum zusammenkommt
Auf zwei Etagen arbeiten das Autonome Frauenzentrum Potsdam (AFZ), der Frauenpolitische Rat Land Brandenburg (FPR), die Kontakt- und Koordinierungsstelle für Mädchen*arbeit im Land Brandenburg (KuKMA), das Netzwerk der brandenburgischen Frauenhäuser (NbF) und die Kontaktstelle zur Umsetzung der Istanbul-Konvention im Land Brandenburg (KIKO) seit März 2025 Tür an Tür. Es gibt insgesamt sechs Büros, zwei Gruppenräume und einen Veranstaltungssaal.
Dieser Ort ist damit:
- Ausgangspunkt landesweiter Gewaltschutzkoordinierung und Gleichstellungsarbeit
- Politischer Ort, der Gleichstellungsthemen, feministische Erinnerungskultur und Queerfeminismus sichtbar macht, der landesweit Akteur*innen fördert und vernetzt
- Begegnungsraum für Austausch und Empowerment
- Arbeitsplatz vieler Fachkräfte
Wir blicken zurück
Ein Jahr nach der Eröffnung ist klar: Echte Veränderung braucht diesen Raum. Die Interessen von Mitbürger*innen finden ebenso Platz wie etabliertes Wirken für Gleichstellung, unermüdlicher Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt und neue Ideen und Konzepte für eine bessere Welt für alle. Zivilgesellschaftliche Stimmen brauchen ihren sichtbaren Ort des Wirkens nach außen. Aber Empowerment und Austausch brauchen auch den geschützten Raum.
Zentrale Infrastruktur für Gleichstellungsarbeit im Land
Der zentralere Standort entwickelte sich schnell zu einem lebendigen Ort für neue Zielgruppen, Kooperationen und gleichstellungspolitische Vernetzung. Allein zwischen März und November füllte das Frauenzentrum den Saal mit drei unterschiedlichen Ausstellungen, jeweils gerahmt von zentralen Begleitveranstaltungen. Sie zogen nicht nur ein vielfältiges Publikum an, sondern eröffneten Räume für die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Lebensrealitäten und historischer Bildung.
Trotz knapper Budgets konnten die Mieter*innen des *innenRaum mehrere Kooperationsveranstaltungen realisieren und damit zeigen, wie wichtig niedrigschwellige Begegnungs- und Diskursräume für die Gleichstellungsarbeit sind. So fanden etwa der Salon mit dem Zonta Club Potsdam zu Klima und Zukunftsfähigkeit, der im Mai gemeinsam von der Potsdamer Gleichstellungsbeauftragten mit dem Bündnis gegen Sexismus organisierte Aktionstag gegen Sexismus in der Kultur- und Nachtlandschaft sowie der Auftakt „Frauen ins Zentrum“ in Zusammenarbeit mit der Stadt Potsdam statt.
Diese Angebote spiegeln zugleich den Bedarf wider, den viele feministische Akteur*innen in Brandenburg teilen: den Mangel an barrierefreien, zentral gelegenen und bezahlbaren Räumen für Austausch, Vernetzung und Veranstaltungen – sowohl für größere öffentliche Formate als auch für kleinere Treffen. Vor diesem Hintergrund entwickelte sich der neue Standort zu einer zentralen Anlaufstelle für lokale und landesweite Initiativen und Organisationen.
Der *innenRaum ist damit mehr als ein Veranstaltungsort – er ist eine zentrale Infrastruktur für feministische Arbeit im Land. Denn Gleichstellung braucht Orte, um sichtbar zu werden, sich zu vernetzen und nachhaltig zu wirken.
Eröffnung der Brandenburgischen Frauenwochen
Der *innenRaum war nur einen Tag nach seiner Eröffnung austragender Ort für den landesweiten Auftakt der 35. Brandenburgischen Frauenwochen 2025, einem etablierten und bundesweit einzigartigen Format, das zu jährlich wechselnden Mottos feministischen Veranstaltungen, Lesungen, Workshops und Aktionen im ganzen Flächenland Raum gibt. Unter dem Motto „Trotz(t) dem!“ bot das Programm in 2025 Zugänge zu Themen wie Empowerment, Feminismus und Widerstand. Zur Auftaktveranstaltung kamen vielfältige Akteur*innen aus der Gleichstellungsarbeit mit Politik und Verwaltung ins Gespräch, neue Netzwerke wurden geknüpft und Allianzen geschmiedet.
Raum und Gehör für junge Menschen
In verschiedenen Workshops zu Feminismus und Intersektionalität konnten Schüler*innen aus Brandenburg an der Havel und junge Menschen aus ganz Brandenburg in den Räumlichkeiten ihre Erfahrungen teilen und neue Perspektiven kennenlernen. Die Abschlussveranstaltung des KuKMA Projekts „Spoken Word Academy“ füllte den Raum im Dezember 2025 mit Poesie und Lyrik.
30 Jahre Netzwerk der brandenburgischen Frauenhäuser
Ein weiteres Highlight war die 30-jährige Jubiläumsfeier des NbF e.V. am 14. März 2025. Die Feier im brandenburgischen Landtag war ein bewegender Festakt mit Reden von Politiker*innen, Expert*innen und Aktivist*innen – und zeigte eindrucksvoll, wie tief verwurzelt die Arbeit für Schutz und Unterstützung von Frauen in Brandenburg ist. Drei Jahrzehnte Engagement gegen Gewalt, für Schutz, Beratung und strukturelle Verbesserungen wurden gewürdigt – und gleichzeitig ein Blick nach vorn geworfen. Anschließend wurde in den neuen Räumen gemeinsam gefeiert.
Überregionale Vernetzungsveranstaltung der KIKO Brandenburg
Beim Fachtag „Stabil vernetzt für ein gewaltfreies Brandenburg“ im Herbst 2025, der in den Räumlichkeiten stattfand, kamen Fachkräfte, Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft zusammen, um über Prävention, Vernetzung und wirksame Strategien gegen geschlechtsspezifische Gewalt zu diskutieren. Die Veranstaltung zeigte einmal mehr: Nur im steten Austausch und vertrauensvoller Zusammenarbeit entsteht nachhaltige Gewaltprävention.
Die Feministische Fachbibliothek Brandenburg
Ein weiterer Meilenstein im Haus war die Eröffnung der Feministischen Fachbibliothek Brandenburg. Der nun zusammen geführte und gemeinsam verwaltete Bibliotheksbestand von NbF, AFZ und dem FPR vereint über 1.000 Titel zu feministischer Theorie, Politik, Geschichte, Recht und Sozialer Arbeit sowie Belletristik und Kinder- und Jugendliteratur zum Thema. Die Bibliothek steht bisher jeden Freitag von 9:00 bis 10:30 Uhr allen Interessierten als Lesestube offen und ist ein lebendiger Ort des Lernens und der Inspiration – ein Schatz feministischer Ressourcen und Begegnung mitten in Potsdam.
Blick nach vorn
Ein Jahr in den neuen Räumen hat bereits gezeigt, wie wichtig und zentral unser Ort für Potsdam und Brandenburg ist: Der *innenRaum setzt Feminismus ins Zentrum und ist Raum für Begegnung, Vernetzung, Wissenstransfer und politische Einflussnahme, den wir und viele andere auch zukünftig mit Engagement und Entschlossenheit füllen werden. Mit einem offiziellen Namen und von einer aktiven Gemeinschaft unterstützt, werden wir im und mit dem *innenRaum im kommenden Jahr noch mehr bewegen – für eine Gesellschaft, in der Geschlechtergerechtigkeit Realität wird und Gewalt keinen Platz hat.
Für mehr Informationen zu aktuellen und zukünftigen Veranstaltungen und den Projekten im *innenRaum:
frauenzentrum-potsdam.de
frauenpolitischer-rat.de
nbfev.de
kukma.de
kiko-brandenburg.de
brandenburg-paritaetisch.de
frauenorte-brandenburg.de