Frauenzentrum in Potsdams Mitte
Das Jahr 2025 stand ganz im Zeichen des Ortswechsels des Frauenzentrums. Der Umzug ins Stadtzentrum und das Zusammenwirken mit den beiden Organisationen, Netzwerk der brandenburgischen Frauenhäuser und Frauenpolitischer Rat Land Brandenburg, stellt eine große bereichernde Veränderung dar. Die erhöhte Aufmerksamkeit des neuen Standortes konnten wir nutzen, um unseren Kernthemen – den geschlechtsspezifischen Gewaltschutz und die Förderung von Frauen in Potsdam – eine laute Stimme zu geben.
Neben dem Ankommen und der weiteren Einrichtung der neuen Räume – welchen von Beginn an eine starke Nachfrage zur Nutzung zuteilwurde – und unsicheren Fördergegebenheiten, konnten wir inhaltliche Veranstaltungen und Aktionen sowie die Stärkung und Vernetzung von Frauen in Potsdam vorantreiben. Neben der Eröffnung des Hauses, drei Ausstellungen und weiteren Veranstaltungen im Frauenzentrum konnten auch regelmäßige Formate wie die jährliche Performance One Billion Rising und die FemmJam kontinuierlich stattfinden und neue Kooperationen, wie beispielsweise das Gedenken mit AndersARTiG e. V. zum Trans Day of Remembrance entwickelt werden. Das Frauenfrühstück als monatliches Angebot bekam ebenfalls eine neue inhaltliche Ausrichtung. Fast alle Gruppen aus dem „alten“ Frauenzentrum sind uns verbunden geblieben, neue Gruppen sind entstanden.
Strukturen verändern für einen gestärkten Gewaltschutz
Der Gewaltschutzbereich ist 2025 stärker zusammengewachsen. Dieser Prozess wurde schwerpunktmäßig durch die Erarbeitung eines Gesamtkonzepts für den Gewaltschutzbereich begleitet. Die Kooperation der Gewaltschutzprojekte wurde durch fachliche Impulse gefestigt. Auch die gemeinsame Nutzung der Räume der Frauenberatungsstelle in der Yorckstraße 24 hat dazu beigetragen.
Des Weiteren blickt der Bereich aufmerksam auf die Umsetzung des Gewalthilfegesetzes, das in Zukunft endlich einen Rechtsanspruch für Betroffene gewährleistet. Frauenberatungsstelle, Frauenhaus und Frauennotwohnung sind bedeutende Teile der bereits bestehenden Präventions- und Schutzstruktur. Zudem sind das Frauenhaus und die Beratungsstelle Mitglieder neu gegründeten Unter-AG des AK Opferschutz Potsdam, in der komplexe Fälle beraten werden und die darauf abzielt, Strukturen zu festigen, Prozesse zu optimieren und langfristige Handlungsfähigkeit aufzubauen.
Von Januar bis November 2025 fanden 33 Frauen und 25 Kinder im Frauenhaus Potsdam Zuflucht. Im Alltag der Bewohnerinnen sorgten regelmäßige Hebammenbesuche, Online-Dolmetscherdienste sowie kreative und kulturelle Projekte für Stabilität und emotionale Heilung. Trotz Herausforderungen, wie der angespannten Wohnsituation in Potsdam oder der zunehmenden Digitalisierung von Gewalt, bot das Frauenhaus vielen Frauen und Kindern Sicherheit, Orientierung und Perspektiven für einen selbstbestimmten Neustart.
Kooperationen mit dem Bürgerservice Potsdam und der Potsdamer Tafel unterstützten unserer Bewohnerinnen und ihre Kinder. Das Netzwerk brandenburgische Frauenhäuser wirkte auch 2025 als starker und verlässlicher Vernetzungspartner. Für 2026 ist eine engere Zusammenarbeit mit dem Jugendamt Potsdam geplant.
Das Frauenhaus Potsdam nimmt am bundesweit wahrgenommenen Modellprojekt zur Intersektionalität „Unterschiedlich und doch stark“ der Frauenhauskoordinierung e. V. (FHK) teil. Durch unterschiedliche Maßnahmen zeigt es, dass es als zentrale Einrichtung im Gewaltschutz agiert – nicht nur als Zufluchtsort, sondern als verlässliche Anlaufstelle für Schutz, Beratung und Neuanfang. 2026 wird das Haus seine Strukturen weiter ausbauen, um Frauen und Kindern eine gewaltfreie Zukunft zu ermöglichen.
Die Frauennotwohnung wurde in diesem Jahr für sieben Monate von einer Praktikantin der Fachhochschule Potsdam unterstützt. Ihre eingebrachten Kenntnisse waren eine starke Entlastung für die meist voll belegte Frauennotwohnung. Diese Erfahrung verdeutlichte erneut, dass eine zweite Mitarbeiterin in der Frauennotwohnung für die Qualitätssicherung unabdingbar ist.
Viele Klientinnen und ihre Kinder erleben Belastungen durch die immense Wohnungsnot. Durch die psychosoziale Betreuung sind sie gestärkt, doch kann beispielsweise eine Mutter mit ihren vier Kindern seit beinahe 1,5 Jahren nicht aus der Frauennotwohnung ausziehen, weil für ihre Familie kein bezahlbarer Wohnraum vorhanden ist.
Um bestehende Bedarfe abzudecken, wird im nächsten Jahr die Kapazität der Frauennotwohnung erweitert. Das Ziel ist es, auch Müttern mit älteren Söhnen und oder Kindern mit körperlichen Behinderungen einen Schutzplatz bieten zu können.
Im Februar nahm eine neue Kollegin ihre Tätigkeit in der Frauen- und Mädchenberatungsstelle auf, wodurch die Aufgaben neu verteilt und fortan die Kompetenzen von drei Personen genutzt werden konnten. Die Vernetzung mit externen Partner*innen wurde intensiviert, insbesondere der Austausch mit der Schulsozialarbeit und dem Jugendamt Potsdam.
Mit der Einführung einer digitalen Fallakte und neuer Erhebungssoftware wurden moderne, effiziente Dokumentationsprozesse etabliert. Inhaltlich zeigte sich eine deutliche Zunahme an Beratungen von Frauen in oder nach Trennungsphasen, häufig mit Kindern. Der anhaltende Wohnungsmangel belastete viele Betroffene zusätzlich.
Insgesamt war das Jahr geprägt von dynamischen Entwicklungen, intensiver Kooperation und wichtigen Impulsen für die zukünftige Weiterentwicklung der Arbeit.
Vielfältig, inklusiv und international vernetzt für emanzipatorische Mädchen*arbeit
Das Jahr wurde vom Mädchen*treff Zimtzicken traditionell mit dem vietnamesischen Neujahrsfest begrüßt und stand im Zeichen der Schlange – ein Jahr des Wachstums und kluger Entscheidungen. Eine davon war der Start des „Inklusionsteams“ gemeinsam mit Aktion Mensch. Es verfolgt das Ziel, Mädchen* mit Behinderungen die Teilnahme an den Angeboten der Zimtzicken zu erleichtern. Wegweisend war auch der Beginn der regelmäßigen Fachberatung durch die Fachstelle Inklusion. Beim Projekt „Zicken-News all inklusive“ kreierten eine Kostümdesignerin und eine Medienpädagogin mit den Mädchen* Kostüme und 30 Beiträge, die die Followerzahlen auf Instagram steigen ließen. Für sein Engagement wurde der Mädchen*treff mit dem Jugendinnovationspreis der Stadt Potsdam geehrt.
Ein weiterer Schwerpunkt war die internationale Vernetzung sowie interkulturelle Bildungsarbeit: 22 Mädchen* aus Deutschland und Polen wurde beim inklusiven Segeltörn zusammengebracht, empowert und konnten sich zum Thema KI bilden. Gemeinsam mit 12 französischen Jugendarbeiter*innen wurde eine französische Woche für die Besucherinnen organisiert. Eine Delegation von Sozialarbeiter*innen aus Japan eröffnete beim Besuch des Mädchen*treffs gegenseitig weitere Perspektiven.
Das Freizeit- und Ferienprogramm vermittelte vielseitige stärkende Fähigkeiten: Beim Schwimmkurs gelangten vier Mädchen* zum Seepferdchen-Abzeichen und einige nahmen an den Mädchen*zirkuswochen in Kooperation mit dem Zirkus Montelino teil. Weitere Highlights waren das Kinder- und Jugendfest der Stiftung Großes Waisenhaus, ein Selbstverteidigungskurs und der Weltmädchen*tag. Wir fokussieren uns auch in Zukunft auf die positiven Kräfte und schöpfen daraus Kraft und Mut für die Zukunft.
Auch in diesem Jahr nehmen wir durch die Arbeit in unseren Projekten eine weitere Zuspitzung gesellschaftlicher Konflikte und Ungleichheiten war. Unsere Arbeit für Geschlechtergerechtigkeit, Gewaltfreiheit sowie sozialen Zusammenhalt bleibt 2026 umso unabdingbarer.