Pressemitteilung: One Billion Rising 2026: Ni Una Menos! – Nicht eine weniger!

One Billion Rising

Unter dem Motto „Ni Una Menos – Nicht eine weniger“ mobilisieren das Autonome Frauenzentrum Potsdam, der Frauenpolitische Rat Land Brandenburg und das Netzwerk der brandenburgischen Frauenhäuser zur Tanzperformance One Billion Rising: Am 14. Februar 2026, um 14 Uhr, am Luisenplatz vor dem Brandenburger Tor sind alle FLINTA*, die dieser Forderung zustimmen, zum Mitmachen eingeladen.

Rund eine Milliarde Mädchen und Frauen erleben in ihrem Leben Gewalt aufgrund ihres Geschlechts, deshalb trägt die jährlich weltweit zum sogenannten Valentinstag stattfindende Aktion den Namen One Billion Rising. Sie bringt laut, stark, empowert und kreativ die Rufe nach Gleichberechtigung, Gerechtigkeit und einem Ende der Gewalt gegen FLINTA* in allen Formen auf die Straßen und Plätze. Sie ist auch ein kritisches Zeichen an jenem Tag, der mit Herzchen, Blumen und Konsumaufforderungen romantische Paarbeziehungen zelebriert, ihren gesellschaftlichen Wert überhöht und Geschlechterhierarchien zementiert. Die Realität ist: Der Großteil aller geschlechtsspezifischen Gewalterfahrungen findet in Paarbeziehungen oder Familien statt. Diese Erfahrungen teilen FLINTA* weltweit, unabhängig von Bildung, Geldbeutel oder Hautfarbe. Auch in Brandenburg ist allein das Hellfeld Häuslicher Gewalt mit 6.790 polizeilich erfassten Straftaten im Jahr 2024 erneut auf einem Höchststand, die Dunkelziffer liegt um ein Vielfaches höher.

Katrin Aechtner, Geschäftsführerin des Autonomen Frauenzentrums Potsdam, dazu: „Weltweit wenden patriarchale Gesellschaftsstrukturen auf unterschiedliche Weisen Gewalt gegen FLINTA* an, um sich zu erhalten. So heterogen die Gruppe der Betroffenen ist – der Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt ist eines der zentralen und verbindenden Elemente der feministischen Bewegungen und Bestrebungen. Durch die One-Billion-Rising-Aktionen wird das Phänomen sichtbar. Wir zeigen jedoch auch auf, dass Solidarität und Kooperation in Zeiten von multiplen Krisen zu Überlebensstrategien werden.“

Jessika Grunow, Mitarbeiterin des Frauenhauses Eisenhüttenstadt und Vorstandsfrau des Netzwerks der brandenburgischen Frauenhäuser, ergänzt: „Wir beobachten, dass viele Menschen erste geschlechtsspezifische Gewalterfahrungen schon im sehr jungen Alter, oft in ihrer ersten heterosexuellen Teenagerbeziehung, machen. Sie lernen, dass es „Liebe“ sei, wenn Jungen Eifersucht, Besitzdenken und mangelnde Konfliktlösungskompetenz zeigen und überhöhen bei Mädchen Passivität, Selbstaufgabe und Treue. Diese geschlechtsspezifischen Klischees sind überall, sie sind toxisch und am Ende für so viele Frauen, Mädchen und FLINTA* tödlich. Sie zu durchbrechen ist dringend notwendige Gewaltprävention.“

Weiter bringt Hella Hesselmann, Sprecherin des Frauenpolitischen Rats Land Brandenburg, an: „Gewalt gegen Frauen* und Mädchen* ist kein Randphänomen, sondern Ausdruck tief verankerter Macht- und Geschlechterverhältnisse. Mit One Billion Rising wird Jahr für Jahr ein kraftvolles Zeichen gesetzt, das Politik und Gesellschaft daran erinnert: Der Schutz vor Gewalt ist eine staatliche Pflicht und keine freiwillige Leistung. Gerade in Zeiten politischer Herausforderungen dürfen wir nicht wegsehen. Eine starke Demokratie entsteht dort, wo Gesellschaft aktiv wird, feministische Werte lebt und Menschen füreinander einstehen. “

 

NI UNA MENOS – Was hat es mit dem Motto auf sich?

Die mexikanische Menschenrechtsaktivistin Susana Chávez hatte 1995 erstmals den Slogan „Ni una mujer menos, ni una muerta más“ – „Nicht eine Frau weniger, nicht eine Tote mehr“ ausgesprochen und damit auf die Feminizide in Ciudad Juárez in Mexiko aufmerksam gemacht[1]. Seither prägt diese Parole die feministischen Bewegungen in Lateinamerika und ist mehr und mehr auch in Europa zu hören und zu lesen. Zur Verbreitung des Slogans trug maßgeblich die Organisierung von Journalistinnen in Argentinien im Jahr 2015 bei, die gegen die Morde an Frauen aufgrund ihres Geschlechts rebellierten. Daraus entstand die NiUnaMenos-Bewegung im Kampf gegen Feminizide und geschlechtsspezifische Gewalt. Ihr Bekanntwerden auf anderen Kontinenten verdeutlicht, dass Gewalt gegen FLINTA* in unterschiedlichen Formen noch immer eines der größten Menschheitsprobleme ist, das es zu lösen gilt, um Menschenrechte zu wahren. Dafür stehen wir ein und deshalb sind wir kollektiv am 14. Februar auf den Straßen und Plätzen.

 

 

 

Für Rückfragen und Informationen stehen wir Ihnen zur Verfügung:

Hanna Steiner

Mitarbeiterin für Vernetzung und Kommunikation

Autonomes Frauenzentrum Potsdam e. V.,

Alter Markt 6,14467 Potsdam

0331 – 967 93 29

kontakt@frauenzentrum-potsdam.de

Maren Küster

Koordinatorin für Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit

Netzwerk der brandenburgischen Frauenhäuser e. V.

Alter Markt 6, 14467 Potsdam

0331 – 813 298 47

kuester@nbfev.de oder koordinierung@nbfev.de

Klara Moschütz

Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und feministische Kultur

Frauenpolitischer Rat Land Brandenburg e. V.

Alter Markt 6, 14467 Potsdam

0331 – 280 35 81

kontakt@frauenpolitischer-rat.de

 

 

[1] Lorey, Isabell, 2018. 8M – Der große feministische Streik. Wien, transversal.

 

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