Tag der Wohnungslosen: Genderperspektive auf Wohnungslosigkeit

11. September Tag der Wohnungslosen. Genderperspektive auf Wohnungslosigkeit

Geschlechtsspezifische Gewalt und Wohnraum

Es gibt einen Zusammenhang zwischen Geschlechterungleichheiten und Wohnraum. Unterschiede bei Bezahlung und dem Anteil von Sorgearbeit sind längst nicht überwunden. Veraltete Geschlechterrollen fesseln Frauen an Paarbeziehungen. Zwar leisten sie mit Lohn- und Care-Arbeit viel mehr Arbeit  als Männer, sind ökonomisch aber oft schlechter gestellt  und können unverschuldet in Abhängigkeiten geraten.

Um sich selbstbestimmt aus einer konfliktiven oder gewaltvollen Beziehung zu lösen, fehlt ihnen häufig das Geld für das Anmieten  einer eigenen Wohnung. Wenn sie Kinder haben oder von Diskriminierungsformen wie Rassismus oder Ableismus betroffen sind, reduziert das die Erfolgschancen einer erfolgreichen Wohnungssuche weiter. Bezahlbaren Wohnraum für alle zur Verfügung zu stellen, ist also auch eine Präventionsmaßnahme, die wirkungsvoll zum Gewaltschutz beitragen kann. Dies würde eine Hürde, sich aus Gewaltbeziehungen zu lösen, minimieren und auch die Verweildauer von Frauen in Frauenhäusern verkürzen.

 

Verdeckte Wohnungslosigkeit bei Frauen

Aufgrund der ökonomischen Ungleichheit, in der sich viele Frauen befinden, sowie der implodierenden Miet- und Wohnungspreise, werden Frauen öfter wohnungslos. Im Unterschied zu Männern werden Frauen meist nicht obdachlos, sondern verdeckt wohnungslos.  Im Bild auf der Straße ist das jedoch nicht auf den ersten Blick ersichtlich, da sie beispielsweise temporär bei Freundinnen, Bekannten oder Verwandten unterkommen. Solche Situationen ohne langfristige Bleibe und kaum  Privatsphäre führen oft in neue Abhängigkeitsverhältnisse.

 

Forderungen

Politische Maßnahmen zur Bewältigung der Wohnungskrise müssen endlich umsetzt werden:

  • Spekulation mit Wohnraum beenden
  • Wohnungen denen, die sie brauchen
  • Mietendeckel
  • Mietpreisbremse
  • Entfristen von sozialem Wohnungsbau
  • Geschlechtsspezifische Angebote, die Frauen ermöglichen, in ihrem sozialen Nahfeld zu bleiben
  • Schluss mit möbliertem Wohnen, befristeten Mietverträgen und AirBnB

 

Wir rufen alle auf, sich am 10. Oktober an der Mietendemo zu beteiligen und die vielzähligen Aspekte einer der drängendsten sozialen Fragen unserer Zeit zu problematisieren.

Hier gibt es den Aufruf zur Mietendemo.