Sehr geehrte Stadtverordnete, sehr geehrte Oberbürgermeisterin, liebe Potsdamer*innen,
die Diskussion um das Steuben-Denkmal bewegt derzeit die Stadt. Als Autonomes Frauenzentrum Potsdam e.V. treten wir für eine Gesellschaft ein, in der Frauen gewaltfrei leben können und bieten Beratung und Schutz bei geschlechtsspezifischer Gewalt an. Wir arbeiten aktiv an der Umsetzung frauenpolitischer Interessen und engagieren uns dafür in der Kommunalpolitik.
Deshalb äußern wir uns in dieser Debatte nicht nur als Anwohner*innen, sondern auch aus unserer politischen und gesellschaftlichen Verantwortung heraus.
Potsdamer Frauen haben sich maßgeblich dafür eingesetzt, dass die drei neuen Straßen rund um den Alten Markt nach Frauen benannt werden, die in der Stadt Potsdam gewirkt haben.
Der Vorschlag für die Benennung einer Straße nach Anna Flügge nahm Bezug auf den Ort, an dem sie als Abgeordnete im Stadtparlament tätig war: das Stadtschloss. Eine Straße nach Anna Zielenziger zu benennen, ergab sich aus dem örtlichen Bezug zur ehemaligen Synagoge neben der Hauptpost am Platz der Einheit und dem 2025 eröffneten Synagogenzentrum in der Schloßstraße 8. Die Nähe zum Brandenburger Landtag am Alten Markt war prädestiniert für das Wirken von Erika Wolf.
Eine Versetzung des Steuben-Denkmals würde einen preußischen Offizier und US-amerikanischen General an prominenter Stelle der Stadt würdigen. Welch ein Kontrast! In Potsdam erinnern Schlösser, Parks und Straßennamen überwiegend an Männer und an Machtstrukturen vergangener Zeiten. Das Eleonore-Prochaska-Denkmal auf dem Alten Friedhof ist das einzige große eigenständige Personen-Denkmal für eine reale Frau. Ihr Handeln steht für das Streben der Frauen nach Freiheit, staatsbürgerlicher Gleichberechtigung und Demokratisierung.
Steuben steht aus unserer Sicht für Militarismus, Kolonialismus und Rassismus. Diese Werte lehnen wir entschieden ab. Die Folgen von Aufrüstung und Krieg tragen nicht diejenigen, die solche Entscheidungen treffen, sondern die Menschen, die darunter leiden müssen.
Die Diskussion um die Statue zeigt außerdem, welche Prioritäten in der Landeshauptstadt gesetzt werden. Während an vielen Stellen gespart wird, sollen für die Umsetzung des Denkmals Gelder bereitgestellt werden. Mit diesen könnte die Stadt Potsdam alternativ wichtige soziale Angebote absichern.
Frauen* erleben bis heute die Auswirkungen von patriarchalen, kolonialen und rassistischen Strukturen. Gleichzeitig sind ihre Geschichten, Perspektiven und Leistungen im Potsdamer Stadtbild kaum sichtbar. Sie bleiben unterrepräsentiert – und mit ihnen auch die Werte, für die sie stehen. Deshalb sprechen wir uns gegen eine Aufstellung des Denkmals auf dem Steubenplatz aus.
Mit feministischen Grüßen